Ingrid Kaiser-Kaplaner
"Die Sachsen und Landler in Siebenbürgen"
Dargestellt anhand von Chroniken und erzählten Erinnerungen


 

Im Vorwort schreibt Univ.-Prof. Dr. Andreas Moritsch u. a.:

"Das 19. und 20. Jahrhundert werden als die Epoche des Nationalismus in die europäische Geschichte eingehen. Das 20. Jahrhundert sollten Historiker, die glauben, daß Geschichte einen Sinn bekommt, wenn man aus ihr auch zu lernen bereit ist, mit dem Untertitel 'Jahrhundert der ethnischen Säuberung' versehen...

....Ideale wollen erfüllt, Prinzipien wollen eingehalten sein. Daher ist alles, was die Einheit der Nation stört oder stören könnte nicht erwünscht. Ist es verwunderlich, daß ausnahmslos alle nationalen Minderheiten in Nationalstaaten das gleiche Schicksal erleiden: sie sollen möglichst zum Verschwinden gebracht werden. Sie sollen das Ideal der nationalen Einheit nicht stören. Der nationale Staat ist ein zu vereinheitlichender, ein ethnisch zu säubernder. Dafür wurden und werden die vielfältigsten Methoden angewendet. Sie reichen von der langsamen, 'zwanglosen' Assimilation über die zwischenstaatlich vereinbarte Umsiedlung, wie sie z. B. von Hitler und Mussolini betrieben wurde, über Flucht und Vertreibung bis zur physischen Liquidierung.

Am schlimmsten getroffen hat der Prozeß der Vernationalstaatlichung unseres Jahrhunderts die deutschen Minderheiten, die im gesamten östlichen und südöstlichen Europa zahlreich vertreten waren. Fürsten, herrschend von Gottes Gnaden, siedelten zu ihrem Nutzen aus dem benachbarten, fortschrittlicheren, deutschsprachigen Westen Kolonisten an. Sie gaben ihnen das bessere Recht und damit die Voraussetzung der sozialen Besserstellung vor der einheimischen Bevölkerung. Als aber seit der Mitte des 19. Jahrhunderts diese einheimische Bevölkerung im Zuge der Demokratisierung, der Überführung der Herrschaftslegitimierung von Gottes Gnaden auf Volkes Gnaden, ihre gesellschaftliche Emanzipation anzustreben begann, kam es zur unglückseligen nationalen Ideologisierung eines gesellschaftlichen Umformungsprozesses. Sachsen und Landler in Siebenbürgen mußten schon im ungarischen Pseudonationalstaat ab 1867 ihren Besitzstand verteidigen und wurden dabei zunehmend nationale Deutsche. Ähnlich ging es den Banater Schwaben, den Gottscheern und den vielen anderen deutschen Minderheiten. Ihr Lebenskampf verschärfte sich noch, als die Habsburgermonarchie, dem nationalen Prinzip folgend, auf Nationalstaaten aufgeteilt wurde, die allesamt zahlreiche nationale Minderheiten innerhalb ihrer Grenzen hatten. Es ist nur zu verständlich, daß sich die deutschen Minderheiten zunehmend auf das deutsche 'Mutterland' stützten und schließlich von diesem unter dem nationalsozialistisch-rassistischen Regime als Volksdeutsche schamlos politisch benutzt wurden. Die ungerechte Rache, die nach dem Zweiten Weltkrieg an ihnen dafür geübt wurde, war die nächste Drehung der natonalistischen Gewaltspirale. Die nationalen Minderheiten wurden mehrfach Opfer des neuen politischen Zwanges unseres Jahrhunderts, Volk und Staat in der Nation in Übereinstimmung zu bringen...

...Viel Übles hat der Nationalismus angerichtet. Ein Beitrag, ihn dessen zu überführen, ist nach den beiden ersten Büchern über die Gottscheer und die Kärntner Slovenen auch dieses dritte Buch von Frau Ingrid Kaiser-Kaplaner."

 

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