"...Die
Menschen im einstigen Vielvölkerstaat der Habsburger waren im 20. Jahrhundert mehreren
tiefgreifenden politischen Veränderungen ausgesetzt und Ingrid Kaiser-Kaplaner gelingt
es, diese historischen Ereignisse auf einer individuellen Betrachtungsebene und damit im
menschlichen Maßstab aufzunehmen und darzustellen. Damit unterscheidet sich ihr Zugang
wesentlich von einer herkömmlichen Staatengeschichte und setzt daher auch eine andere
methodische Vorgangsweise voraus.
Die Autorin bedient sich
neben einer intensiven Auswertung der auf dieser lokalen Ebene eher spärlich vorhandenen
schriftlichen Quellen, der Methode der 'oral history', welche die Betroffenen selbst zu
Wort kommen läßt und ihre persönliche Sicht wiedergibt. Die Vorbereitung der Gespräche
mit den meist älteren ZeitzeugInnen, die Erstellung der Interviewleitfäden und die
Auswertung und Validation der mündlichen Berichte sind Techniken der qualitativen
Sozialforschung, die in den letzten Jahrzehnten auch in Disziplinen wie Geschichte und
Geographie Eingang gefunden haben. Damit können Erfahrungen und Sichtweisen von
Betroffenen erschlossen und zugänglich gemacht werden, die von diesen Personen selbst nie
verschriftlicht und veröffentlicht worden wären und damit für die interessierte
Öffentlichkeit verloren gegangen wären..."