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Native Instruments in der Krise

Native Instruments in der Krise:
Was Musiker und Produzenten jetzt wissen müssen

Native Instruments meldet Insolvenz an

Die Musikwelt blickt derzeit gespannt nach Berlin. Wie das Fachportal Create Digital Music (CDM) am 27. Januar 2026 als erstes berichtete, hat der Branchenriese Native Instruments GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Dieser Schritt markiert einen historischen Wendepunkt für eines der einflussreichsten Unternehmen der Musiktechnologie.

Die Fakten: Was ist passiert?

Der offizielle Antrag wurde beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht. Laut den Einträgen im offiziellen Portal Insolvenzbekanntmachungen.de (Aktenzeichen einsehbar unter der Suche „Berlin/Charlottenburg“) wurde Prof. Dr. Torsten Martini von der Kanzlei GÖRG zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Das Hauptziel dieses Verfahrens ist die Sicherung des Vermögens und die Prüfung, ob der Geschäftsbetrieb dauerhaft saniert werden kann. Wie die MusikWoche berichtet, folgte kurz nach dem Antrag der GmbH auch die Meldung der Native Instruments Holding, was auf eine umfassende finanzielle Restrukturierung der gesamten Gruppe hindeutet.

Warum jetzt? Ein Blick auf die Hintergründe

Branchenbeobachter, unter anderem bei Heise Online und Amazona.de, sehen die Ursachen primär in der hohen Schuldenlast, die durch die massive Expansion der vergangenen Jahre entstanden ist.

  • Expansion: Die Gründung der „Soundwide“-Gruppe (Zusammenschluss mit iZotope, Plugin Alliance und Brainworx) war mit hohen Investitionen verbunden.
  • Gescheiterte Deals: Laut Berichten von Keyboards.de scheiterten Ende 2025 offenbar geplante Übernahmen durch neue Investoren (Bain Capital/Bridgepoint) kurzfristig, was die Liquidität des Unternehmens entscheidend unter Druck setzte.

Was bedeutet das für User von Kontakt, Komplete und Maschine?

Für die tägliche Arbeit im Studio gibt es vorerst Entwarnung. Wie Delamar in einer aktuellen Analyse betont, läuft der operative Betrieb weiter. Das bedeutet für dich konkret:

  • Software funktioniert: Deine installierten Plugins bleiben voll einsatzfähig.
  • Native Access: Die Server zur Aktivierung und Installation sind weiterhin online.
  • Tochterfirmen: Marken wie Plugin Alliance haben über Plattformen wie Synth Anatomy bereits klargestellt, dass sie aktuell nicht direkt von dem Insolvenzantrag betroffen sind und der Support dort uneingeschränkt weitergeht.

Plan B: Professionelle Alternativen im Überblick

Auch wenn ein Fortbestand von Native Instruments (insbesondere des Industriestandards Kontakt) unter neuer Führung wahrscheinlich ist, fragen sich viele Produzenten nach langfristigen Alternativen. Hier ist eine Übersicht stabiler Lösungen:

Kategorie NI-Produkt Professionelle Alternative
Sampler Kontakt Steinberg HALion oder UVI Falcon
Groove/Beats Maschine Ableton Live & Push oder Akai MPC-Systeme
DJ-Software raktor Serato DJ Pro oder Rekordbox
Synths Massive / Monark Arturia V Collection oder u-he Diva

Hinweis: Die Links in der Tabelle oben, führen zu den entsprechenden Produkten auf der Thomann Webseite.

Fazit: Die Lage ist ernst, aber kein Grund zur Panik. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren ist oft der Startschuss für eine notwendige Gesundung.
Wir werden die Entwicklungen rund um den Standort Berlin und das Team von Native Instruments weiter beobachten.

Checkliste: So sicherst du dein Studio gegen Software-Ausfälle ab

Um bei finanziellen Schieflagen von Herstellern handlungsfähig zu bleiben, solltest du proaktiv folgende Schritte zur Datensicherung unternehmen:

  1. Sample-Libraries physisch sichern
    Externes Backup: Kopiere alle Library-Ordner (Kontakt, Maschine, Expansions) auf zwei unabhängige externe Festplatten.
    Funktion prüfen: Teste die „Locate“-Funktion in Native Access. Damit lassen sich Libraries ohne erneuten Download direkt von der Festplatte wieder verknüpfen.
  2. Installer-Dateien archivieren
    Download-Ordner sichern: Kopiere .iso (Windows) oder .dmg (macOS) Dateien direkt nach dem Download aus dem Native-Access-Download-Verzeichnis, bevor die Software sie nach der Installation automatisch löscht.
    Legacy-Tools: Lade dir die aktuellsten Standalone-Installer für dein Betriebssystem sowie Hardware-Treiber direkt von der Hersteller-Webseite herunter und archiviere sie.
  3. User-Content & Presets schützen
    Pfad-Backup: Sichere den Ordner Dokumente/Native Instruments. Hier liegen deine persönlichen Sounds, Snapshots und Projekt-Daten.
    NKS-Mappings: Sichere deine individuellen Controller-Mappings aus den App-Data-Verzeichnissen (Service Center Ordner).
  4. Projekte „zukunftssicher“ machen
    Audio-Bouncing: Rendere wichtige Spuren, die Native-Instruments-Plugins nutzen, als hochwertige Audio-Files (24-bit WAV).
    MIDI-Export: Exportiere die MIDI-Daten deiner Instrumenten-Spuren separat, um sie im Notfall schnell mit Ersatz-Plugins verknüpfen zu können.
  5. Hardware-Funktionalität erhalten
    Firmware & Editor: Speichere die aktuellsten Firmware-Updater und die Software „Controller Editor“. Diese Tools sind essenziell, um Keyboards und Controller auch ohne Cloud-Anbindung konfigurieren zu können.

Pro-Tipp: Eine regelmäßige Datensicherung (Backup) ist in der digitalen Musikproduktion ohnehin Pflicht – eine Firmeninsolvenz ist lediglich ein guter Anlass, die eigene Strategie wieder einmal auf den Prüfstand zu stellen.

PDF-Download: Bereit für den Ernstfall? Hier kannst du dir meinen Leitfaden zur Studio-Absicherung direkt als PDF herunterladen und dein System zukunftssicher machen.
PDF Studio Absicherung Checkliste

 

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