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Verwendungsmöglichkeiten klassischer MIDI-Files


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Geschrieben von Harald Schollmeyer (von: p3E9BF118.dip.t-dialin.net) on September 11, 2000 at 10:07:21 (IP: 62.155.241.24)

Als Antwort auf : Klassil-Digital-Partitur geschrieben von Uwe on September 11, 2000 at 09:11:04:

Hallo Uwe,

zwar mache ich selbst keine Sequenzen von klassischer Musik, spiele diese aber selbst
(Baßposaune/Klavier) und betreibe Sequencing in der Popmusik. Einige Gedanken zu deinem Posting...

Das Ziel, das du verfolgst ist mir noch nicht ganz klar. Was du betreibst, ist eine Interpretation
eines Stückes in MIDI-Form zu fixieren. Was können die Anwendungszwecke dieser Form sein?
Hervorragende Audio-Aufnahmen fast aller klassischen Werke gibt es bereits, die Noten sind
in den allermeisten Fällen auch erhältlich. Wenn du Sequencing zu deiner eigenen Freude und zu eigenem
Nutzen betreibst, okay - aber welche Personen könnten sonst einen Nutzen davon haben?
Bei den von dir angesprochenen Möglichkeiten sehe ich kaum Interesse:

> daß digitale Partituren und Orchester auch für den "klassischen" Berufsmusiker ein nützliches
> Hilfsmittel sind

Hilfsmittel für was? Zum Üben, zum Unterrichten? Dafür haben sich Methoden und Medien etabliert,
die in diesem größteneils technisch konservativ geprägten Bereich das Mittel der Wahl sind:
Noten, Aufnahmen, Klavier, Metronom. Wenn MIDI-Files zu besseren Unterrichtsformen oder
zu erfolgreicheren Übemöglichkeiten beitragen können - dann solltest du diese schildern.
Ich wäre daran durchaus interessiert. Das ist aber eher eine musikpädagogische Frage.

> Und vor allen Dingen fehlt ein Standard, der den Hörgewohnheiten und Ansprüchen von
> Orchestermusikern und Dirigenten angemessen ist und der gewährleistet, daß z.B. ein
> Dirigent eine von ihm bearbeitete Computerpartitur an die Orchestermusiker weitergeben
> kann, damit jeder einzelne damit seinen Part üben kann.

Orchestermusiker wollen Noten sehen, wenn sie ein Stück spielen sollen. Ich habe selbst
in professionell arbeitenden Orchestern die Erfahrung gemacht, daß den Leuten, die Aufnahmen
verteilen, mit Mißtrauen begegnet wird. Aus einem einfachen Grund: wer glaubt, Aufnahmen
verteilen zu müssen, gibt eine spezielle Interpretation als Maßstab vor und bevormundet so
die Musiker in ihrer eigenen Kreativität. Außerdem setzt er sich dem Verdacht aus, sich nicht
genügend in der Notenschrift ausdrücken zu können.

> Ein digitales Symphonie-Orchester von hoher Klangqualität

Ich würde sehr von einem Begriff "digitales Symphonie-Orchester" abraten. Das klingt in meinen
Ohren viel zu sehr nach Synthesizer-Verkäufer, der falsche Erwartungen wecken will. Synthesizer
sind Instrumente wie viele andere auch. Einiges kann man damit sehr gut machen, anderes widerum
überhaupt nicht. Und: Synthesizer werden von einer Industrie produziert, die an Verkaufszahlen
interessiert ist. Das hat Auswirkungen auf die Klangästhetik der Geräte, die teilweise der Klangästhetik
der klassischen Musik direkt zuwiderläuft.

> um den Dirgenten zu spielen zu können

Ein MIDI-File kann man nicht dirigieren! Selbst dirigeren bedeutet u.a., Schlagtechnik zu beherrschen
und sie sinnvoll einzusetzen, Kompetenz in der Gruppenleitung zu haben und musikalisch
sensibel in jedes Detail der Partitur eingreifen zu können - das sind Dinge, die mit einem MIDI-File
von einem Synthesizer abgespielt meilenweit entfernt sind.

----------
Was ich hier schildere, sind meine persönlichen Bedenken, mit MIDI-Files an klassische Musiker
heranzugehen - ich möchte dir nicht den Spaß an deiner Sache verderben. Wenn du allerdings
eine kommerzielle Verwendung deiner Produkte anstrebst, sind einige der obigen Fragen
wahrscheinlich durchaus wichtig.

Viele Grüsse, viel Erfolg,

Harald



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